Tourismus und Stadtmarketing Enns GmBH

Fresko im Frauenturm

Der Innenraum des Frauenturms besticht durch die Wandmalereien in Mischtechnik, die der Malerschule St. Florian zugeschrieben und zwischen 1320 und 1360 datiert werden.

Stadtpfarrkirche St. Marien

Kleiner Rundgang

Eingang durch das Tor beim Anbau rückwärts, dann durch den Kreuzgang zur Kirche. Die Bewegung der „Minderen Brüder“ (Minoriten) bildete sich rund um die Person des hl. Franziskus. Schon zu Lebzeiten des Heiligen wurden in Europa Klöster gegründet.

In der jungen Stadt Enns kam es zur Errichtung des Minoritenkloster 1276/77 und mit diesem auch zur Errichtung einer Klosterkirche. Der Quellennachweis über die Gründung und den Bau der Kirche ist sehr gering. Der Baustruktur nach ist die Stadtpfarrkirche eine der ältesten Bettelordenskirchen Österreichs.

Von der Wienerstraße oder Kirchengasse kommend, fällt dem Besucher gleich der interessante, der Kirche vorgelagerte Bau der Wallseerkapelle (mächtiger Schaugiebel) auf, dahinter der schlichte Bau der Kirche.

Der Schaugiebel der Wallseerkapelle, der über dem Hauptgesimse aufliegt, hält drei breite, vierteilige Fenster zusammen. Die Strebepfeiler beim Portal werden hochgeführt und dritteln den Giebel, der von frühgotischen steigenden Spitzbögen geschmückt ist.

Wenn man den Kirchenraum betritt, ist man überrascht eine zweischiffige Halle vorzufinden, die durch ihre architektonische Klarheit und Weite eine Ruhe ausstrahlt. (Besonders schön ist der Blick vom Presbyterium in die zweischiffige Halle.)

Ein nächster, erhebender Eindruck ist der lichtdurchflutete Langchor, in dem man die Höhenentwicklung der Gotik studieren kann. Auffallend sind die in den 70ger Jahren geschaffenen Fenstern. Der ehemalige Hochaltarbereich ist heute Taufraum. Die drei Chorfenster geben der Kirche einen herrlichen Farbakzent.

Die neugotischen Fenster waren zum Zeitpunkt der Renovierung in einem sehr schlechten Zustand. Wegen der großen Bedeutung der Kirche wurde vom Land OÖ. Ein Künstlerwettbewerb unter der Thematik „Der Sonnengesang des hl. Franziskus“ ausgeschrieben. Den 1. Preis erhielt Markus Prachensky ein in Wien lebender Künstler, dessen Entwürfe auch zur Ausführung kamen (1975).

Die Farbgebung der Fenster ist äußerst interessant. Die Farben stehen auf weißem Grund, dadurch wird die Leuchtkraft gesteigert. Die Fenster zeigen eine Vielfalt von Farbschattierungen auf: Vom hellen Orange bis ins dunkle Rot bzw. bis ins transparente Violett. Prachensky sagte zu diesen Fenstern: „Es kam mir darauf an, den Geist von Heute in die Form der Gotik zu bringen.“ Möglicherweise wurde der Künstler aber auch von der Strophe des Sonnengesanges inspiriert, in der Franz von Assisi sagt:

Sei gelobt mein Herr, durch Bruder Feuer.
Er erleuchtet das Dunkel,
kühn ist sein Sprühen,
heiter ist er, schön und gewaltig stark.

Die weiteren Fenster des Langchores wurden mit getönten Glas versehen, das die kräftigen Sonnenstrahlen etwas filtert.

Der Kirchenraum war zunächst einschiffig. In der zweiten Hälfte des 15. Jhdt. wurde in diesem Raum ein gotisches Gewölbe (2-schiffige Halle) eingezogen. Bei der Restaurierung wurden die Fenster an der Südwand geöffnet, dadurch ist der Kirchenraum heller als das früher der Fall war. Der Raum besticht durch seine Schlichtheit, die der Bettelordensgotik zu eigen ist. Der einzige Schmuck sind die Gewölberippen mit den wunderschön gearbeiteten Schlusssteinen.

1551 wurde das Kloster der Minoriten aufgelassen, die Kirche stand leer. Mit dem Dekret König Ferdinands I. vom 22. 8. 1553, wurde die Kirche zur Stadtpfarrkirche erhoben. 1567 – 1574 beherbergte das Kloster die protestantische Landschaftsschule, die hernach nach Linz in das Landhaus verlegt wurde.

Barockisierung im 17. und 18. Jhdt. 1644 kehrten die Minoriten nach Enns zurück. 1784 hob Kaiser Josef II. die Ordensniederlassung in Enns auf. 1859 wurden die Franziskaner nach Enns berufen, für sie wurde eine im rechten Winkel zur bestehenden Pfarrkirche, angebaute Klosterkirche errichtet, die 1972 profaniert wurde und heute als Pfarrzentrum dient. 1894 – 1911 wurde die Pfarrkirche recht unglücklich regotisiert, wobei die herrliche barocke Kirchenausstattung zum Opfer fiel. (Gotische Madonna des ehemaligen barocken Hauptaltars ist heute im Museum.)

1968 wurde Enns in 2 Pfarren geteilt. Die Kirche ist somit Pfarr- und Klosterkirche der Franziskaner. 1970 – 1972 wurde die gesamte Kirchenanlage gründlich restauriert, u.a. wurde der Boden auf das ursprüngliche Niveau abgesenkt. Die neue Einrichtung stammt vom Bildhauer Peter Dimmel, Linz.

Durch drei große gotische Öffnungen an der Nordseite des Kirchenraumes betritt der Besucher die Wallseerkapelle.