Tourismus und Stadtmarketing Enns GmBH

Fresko im Frauenturm

Der Innenraum des Frauenturms besticht durch die Wandmalereien in Mischtechnik, die der Malerschule St. Florian zugeschrieben und zwischen 1320 und 1360 datiert werden.

Wallseerkapelle

Kleiner Rundgang

An kunsthistorischer Bedeutung ist die Wallseerkapelle der Kirche weit überlegen. Das Innere der Kapelle macht den Eindruck eines sehr zartlinigen Raumes. Zur Betonung der Senkrechten tragen die überaus schlanken Bündelpfeiler bei. Die Besonderheit der Kapelle besteht darin, dass in ihr zum ersten Mal ein zweischiffiges Langhaus ohne Einziehung, d.h. in voller Breite mit einem dreischiffigen Chorraum verbunden wurde. Durch die vier Chorsäulen entstand eine Art Baldachin über dem Altar und ein reizvoller Umgang. Der Typus der französischen Pilgerkirchen dürfte hier Vorbild gewesen sein. Die Kirche am Pöllauberg, Stmk. weist eine solche Chorlösung ebenso auf. Diese architektonische Lösung gibt es im österreichischen Sakralbau nur in Enns und in Pöllauberg. Eine weitere Besonderheit sind die Sitznischen-Arkaden an der Nordseite der Kapelle unter dem Kaffgesimse, die eine Auflösung der Wand unterhalb der Fenster bewirken.

Im rechten Chorteil befindet sich an den Wänden eine Seccomalerei von 1625. Das linke Bild zeigt die sogenannten Lorcher Bischöfe. Die geschichtliche Fragwürdigkeit entdeckte man im vorigen Jahrhundert. Die Reihe beginnt mit Lukas und endet mit dem berühmten Pilgrim von Passau +991, der seine Anspruch auf den Titel „Lorcher Erzbischof“ untermauern wollte.

Von den ursprünglichen 29 Bildern sind nur mehr 22 sichtbar. 18 der angeführten Namen sind als Bischöfe von Passau (die Diözese Linz wurde erst 1785 gegründet) nachweisbar, deren Reihe mit Vivilo +739 beginnt. Das rechte Bild stellt die Ennser Stadtpatrone, Lukas, Markus, Florian und Maximilian dar, wie sie an der Glorie des Himmels teilhaben. Die Ennser werden in dem knieenden Bettler personifiziert. Darunter ist eine Darstellung der Stadt (vom nö. Ennsufer aus) zu sehen.

In der Kapelle ist eine der drei „Ennser Madonnen“ aufgestellt. Sie wird um 1300 datiert, das Material ist Sandstein. Die Plastik wurde 1977 restauriert, es wurde dabei die Erstfassung freigelegt. Unter anderem mussten bei diesen Arbeiten 17 Malschichten (Übermalung aus verschiedenen Jhdt.) abgenommen werden. Früher war diese Figur in einer Nische des Kreuzganges aufgestellt und wurde wenig beachtet, heute rundet diese Madonna den gotischen Gesamteindruck der Kapelle ab.

Der Kreuzgang, im 15. Jhdt. gebaut, hatte ursprünglich ein gotisches Gewölbe. Bei der Wiederbesiedlung des Klosters 1644 durch die Minoriten wurde dieses Gewölbe entfernt, weil oberhalb des Kreuzganges Räumlichkeiten für die Klostergemeinschaft geschaffen wurden. Im S/O – Eck ist eine Kreuzigungsgruppe, bestehend aus einem gotischen Kruzifixus (um 1520) und Assistenzfiguren aus dem 18. Jhdt. Diese Figurengruppe stand früher auf einem „Kalvarienberg“ außerhalb der Stadtmauer. Dort wurde Mitte des 19. Jhdt. eine Villa gebaut und daher die Gruppe am Haus Linzerstraße 32 angebracht. Zu dieser Zeit entstand ein Spottlied:

Herrgott marschier’
der Guger baut hier!
Sind doch verfluchte Zeiten,
muss der Herrgott dem Guger weichen!

Nach einer umfassenden Restaurierung in den 70iger Jahren kam die Gruppe in den Kreuzgang und bildet so die 12. Station des Kreuzweges.
Im Garten des Kreuzganges steht eine schöne Barockplastik: Maria als Immaculata. Die Marmorplastik aus dem Jahre 1716 zeigt eine zarte Formgebung und eine liebliche Beschwingtheit.

Autor Alfred Hudec